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Halt! Stopp! Mobbing erkennen

Das war das Anliegen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Fortbildung der Arbeitsgemeinschaft Klinik- und Krankenhausschulen im Fachverband Förderschulen und des Kreisverbandes Sächsische Schweiz.

An einem sonnigen Sonnabend trafen sich die Interessenten und die Referentin Mandy Schröder in Bad Gottleuba. Ziel war es, sich intensiv mit einem Thema auseinanderzusetzen, das das Gemüt nicht so erfreut wie die Sonne und das sich eigentlich jedem Lehrer stellt.

Die Situation durchschauen

Statistisch ist unter 25 Schülern einer von Mobbing betroffen. Schon diese eine statistische Notiz ließ aufhorchen und verstärkte das Interesse an den Ausführungen von Frau Schröder. Sie stellte zunächst vor, woran Mobbing zu erkennen und von anderen Beziehungsstörungen zu unterscheiden ist. Mobbing ist gekennzeichnet durch eine bewusste Schädigung eines anderen über einen längeren Zeitraum, in dem ein Ungleichgewicht der Kräfte zwischen Akteur und Betroffenem besteht. Frau Schröder ging außerdem auch auf die Begriffe „Akteur“ und „Betroffener“ ein, die sie anstelle von Täter und Opfer verwendete. Niemand ist allein durch seine Rolle in einer konkreten Beziehung zu beschreiben, jeder hat Eigenschaften und würde durch eine Täter- oder Opferidentifizierung eingeschränkt wahrgenommen. Und jeder ist mit jedem in Beziehung. Um gegen Mobbing vorgehen zu können, ist deshalb das Beziehungsgeflecht in der Gruppe genau zu beobachten und es ist die Rolle der Gruppenmitglieder zu identifizieren. Wer ist Assistent des Akteurs, Verteidiger des Betroffenen, Erdulder der Situation?

Das Problem lösen

Ist dann eine Beziehung als Mobbing beschrieben und die Rollenverteilung bekannt, kann die Methode des No Blame Approach (Ohne-Blamieren-Ansatz) zum Einsatz kommen. In 87 Prozent der Fälle soll damit das Mobbing nachhaltig gestoppt worden sein. Diese Tatsache beeindruckt Frau Schröder so, dass sie daraufhin die Strategie dieses lösungsorientierten Ansatzes vorstellte. Basis dafür sind Gespräche, einmal mit dem Betroffenen – am besten während der Unterrichtszeit, was ihm die Bedeutsamkeit des Themas verdeutlicht (aber nicht leicht einzurichten ist) – und andererseits mit einer sogenannten Unterstützergruppe, zu der der Akteur auf alle Fälle gehört. Ziel der Gespräche ist es, eine Lösung für das Problem und einen Weg aus der Situation zu finden. Die Schuldzuweisung werde nicht zu einer Veränderung führen. Im Vordergrund steht die Frage, was getan werden kann, um die Situation zu verändern. Wenn das Gespräch zu einem Ergebnis geführt werden konnte, wird ein Termin für ein zweites Gespräch nach vierzehn Tagen angekündigt, um eine ernsthafte Umsetzung des Besprochenen zu fördern. Frau Schröder wies nicht nur immer wieder darauf hin, dass es wichtig sei, nach Lösungen zu suchen und nicht nach einem Schuldigen. Sie stellte auch vor, wie die Gespräche geführt werden können und welche Fragen und Äußerungen das Gelingen unterstützen können.

Die vier Stunden vergingen im Wechsel von Darbietung und Gespräch recht schnell und hinterließen ein dankbares Publikum, das sicher die seitens der Referentin überreichten Notizen nicht nur abheften, sondern auch zur Festigung lesen wird.