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Antwort auf den Artikel von Marin Dulig in der Sächsischen Zeitung vom 26.02.2019

Über den Artikel des Wirtschaftsministers Martin Dulig in der →Sächsischen Zeitung vom 26.02.2019 war ich sehr erstaunt. Er beschreibt darin eine Oberschule in Moritzburg, in der bereits jetzt binnendifferenziert unterrichtet wird. Es ist also ganz offensichtlich schon heute möglich, so zu unterrichten. Seine Schlussfolgerung daraus ist aber, dass nun Gemeinschaftsschulen in Sachsen möglich gemacht werden müssten. Wie sind denn die damit verbundenen Mehrkosten zu rechtfertigen, wenn es bereits in den bestehenden Schularten möglich ist, besondere Unterrichtsformen anzuwenden? Wenn es bereits jetzt Schulen gibt, die Orte „der Lebensfreude und Herzensbildung“ sind? Ein Blick in mehr als nur eine Schule könnte ihn vielleicht davon überzeugen, dass die sächsischen Lehrkräfte bereits heute ihre Schüler individuell fördern. Stattdessen wird suggeriert, den sächsischen Lehrern läge vor allem daran „Kinder auszusortieren“. Allein diese unsägliche Formulierung zeigt einen mangelnden Respekt für das, was sächsische Lehrkräfte täglich und das ganze Schuljahr über leisten.

Sein Verweis auf das „Funktionieren“ von Einheitsschulen zu DDR-Zeiten klammert im Übrigen komplett aus, dass damals kein Kind mit dem, was wir heute als Förderschwerpunkte oder Inklusionsbedarf bezeichnen, überhaupt jemals in einer Regelschule angekommen wäre. Wir leben heute unter völlig anderen Rahmenbedingungen. Wer sonst behauptet, immer die Zukunft im Blick zu haben, braucht nicht nostalgische Gefühle zu wecken, die letztendlich nur den Blick auf die Realität verblenden.

Am Schluss wird auch das Argument zur Heterogenität der Schülerschaft von Herrn Dulig gedreht, bis kein Anfang und kein Ende mehr zu erkennen ist. Lehrkräfte klagen über zu viel Heterogenität in den Klassen? Durchaus! Warum soll aber die Antwort darauf noch mehr Heterogenität sein? Was Lehrkräfte brauchen, ist mehr Personal, damit es endlich kleinere Klassen, die längst überfällige Klassenleiterstunde etc. geben kann. Und wenn das Argument ist, heterogene Klassen bereiten Schüler auf eine heterogene Welt vor – warum wird dann zugleich gesagt, Kindern könne man im Laufe ihrer Schulkarriere nicht zumuten, auch mal die Schule zu wechseln oder den eigenen Freundeskreis zu erweitern? Heterogenität ja, aber nur im immer gleichen Klassenverband? Das packt die Watte, die um Kinder gewickelt werden soll, bloß von einer Stelle an die andere.

Petra Müller

stellvertretende Landesvorsitzende des Sächsischen Lehrerverbandes und SLV-Fachverbandsvorsitzende Mittelschulen