Unterrichtsausfall und Maßnahmenpaket: Mehr Belastung statt Entlastung
Ausgangspunkt war die Pressemeldung vom 17. März 2026 zum Unterrichtsausfall. Der SLV stellte klar: Die Reduktion gelingt derzeit vor allem auf Kosten der Lehrkräfte. Anrechnungsstunden im Umfang von 800 Vollzeitäquivalenten wurden gestrichen und in Unterricht umgewandelt. Das bedeutet für die einzelne Lehrkraft mehr Unterrichten und zusätzliche Aufgaben – ohne Ausgleich.
Der Kultusminister bewertete das Maßnahmenpaket dagegen als wirksam und kündigte seine Fortsetzung für weitere vier Jahre an. Zugleich stellte er in Aussicht, dass bis 2030 zwar Stellen im öffentlichen Dienst abgebaut werden, nicht aber im Lehrkräfte-Bereich. Priorität habe die Unterrichtsabsicherung.
Ein zentraler Streitpunkt bleibt die MAU-Budgetierung. Zwar sollen die Mittel von elf Millionen Euro bis 2027 gesichert sein. Die konkrete Umsetzung im Schuljahr 2025/2026 bleibt jedoch problematisch.
„Bildungsland Sachsen 2030“: Viele Vorhaben, wenig Klarheit
Bei den angekündigten Entlastungen zeigte sich ein gemischtes Bild. Die drängende Frage des SLV nach dem Wegfall der verbalen Beurteilung im Jahreszeugnis blieb offen. Eine Arbeitsgruppe des SMK soll erst im Schuljahr 2026/2027 Ergebnisse vorlegen. Der SLV fordert hier eine klare Regelung: Die Entscheidung muss im Ermessen der Lehrkraft liegen.
Auch zum Strategiepapier „Bildungsland Sachsen 2030“ wurden der Arbeitsstand vorgestellt und diskutiert. Es ging um jahrgangsübergreifendes Lernen, Bewertung, selbstorganisiertes Lernen, die Weiterentwicklung des Schulportals und die Etablierung multiprofessioneller Teams. Zu diesen Punkten arbeiten derzeit Arbeitsgruppen an der Umsetzung. Zuerst soll dies an Pilotschulen geschehen. Nach einer Evaluation ist die flächendeckende Einführung vorgesehen.
Beim jahrgangsübergreifenden Unterricht wurde deutlich: Er dient laut SMK vor allem dem Erhalt von Schulstandorten. Der SLV unterstützt dieses Ziel ausdrücklich.
Bewertung: Einheitliche Regeln sichern Fairness
Im Zusammenhang mit der stärkeren Eigenverantwortung der Schulen in Fragen der Benotung wurde das Pilotprojekt an elf Grundschulen im Raum Bautzen, Chemnitz und Dresden besprochen. Dort wurde die Ziffern-Benotung durch eine verbale Beurteilung ersetzt. Nach Angaben des SMK soll das Modell nun auf weiterführende Schulen ausgeweitet werden. Die Schulen sollen selbst entscheiden können.
Der SLV spricht sich für eine zentrale Regelung der Benotung aus. Sie soll fair, transparent und rechtlich belastbar bleiben. Schulen sollen innerhalb dieses Rahmens pädagogisch frei arbeiten können. Sie dürfen aber nicht die objektiven Kriterien und Grundprinzipien der Leistungsbewertung beliebig verändern.
Digitales Selbstlernen: Entlastung nur mit klaren Regeln
Der Minister sieht im digital gestützten Selbstlernen, das in der zweiten Phase an Oberschulen eingeführt wird, ein Werkzeug zur Unterrichtsabsicherung. Im Mittelpunkt stehe dabei weniger das Digitale als die Selbststeuerung des Lernens. Nach seiner Vorstellung stellt eine Lehrkraft 15 Stunden vorbereiteten Unterricht zur Verfügung. Dieser kann im Bedarfsfall, etwa bei Ausfall, eingesetzt werden. Die genauen organisatorischen Rahmenbedingungen sind noch unklar.
Der SLV fordert eine transparente Darstellung der konkreten Organisation. Digitales Selbstlernen muss deputatwirksam eingeplant werden. Lehrkräfte müssen ihre normale Arbeitszeit behalten. Außerdem braucht es die technische Ausstattung an den Schulen. Dazu gehören digitale Endgeräte, geeignete Software und die notwendige Infrastruktur.
Sicherheit, Bildungsgerechtigkeit und Digitalisierung: Kernprobleme bleiben
Angesichts zunehmender Gewalt an Schulen forderte der SLV klare Maßnahmen zur Sicherheit. Das Kultusministerium verweist auf bestehende Regelungen und ein Sondervermögen von bis zu 470 Millionen Euro für die Schulinfrastruktur. Ein Teil davon soll 2026 an die Kommunen gehen und auch in Sicherheitstechnik fließen. Das Meldesystem AMANIS soll Krisen früh erfassen und koordinieren.
Der Fokus liegt zudem auf der Unterstützung belasteter Lehrkräfte. Geplant ist ein Pilotprojekt zur Resilienzstärkung ab dem Schuljahr 2026/2027. Auch Schulpsychologen sollen stärker eingebunden werden. Doch 96 Fachkräfte für 1.578 Schulen reichen nicht aus. Der SLV hält dagegen: Jede Schule braucht ein multiprofessionelles Team. Alles andere bleibt Stückwerk – und hängt erneut am Geld.
Auch bei der Inklusion zeigt sich diese Grenze deutlich. Auf dem Papier gilt sie, im Alltag oft nicht. Inklusion verteilt sich derzeit je zur Hälfte auf Ober- und Förderschulen. Erfolgreiches gemeinsames Lernen braucht jedoch kleinere Klassen, mehr Personal und geeignete Räume. Das Ministerium nennt Ansätze wie einen Klassenteiler von 20 in Klasse 5, zusätzliche Inklusionslehrkräfte und mehr Studienangebote in der Sonderpädagogik. Der SLV unterstützt diese Schritte, zweifelt aber an der Umsetzung ohne klare Ressourcen.
Bei der Digitalisierung bleiben viele Fragen offen. Zwar wurden Instrumente wie Schullogin, KAI, bettermarks und Fobizz benannt. Ein klares Zielbild fehlt jedoch. Unklar ist, ob digitale Lösungen entlasten, ergänzen oder ersetzen sollen. Es fehlen belastbare Erkenntnisse und verlässliche Rahmenbedingungen. Am Ende entscheidet auch hier die Finanzierung.
Das Fazit ist eindeutig: Zentrale Herausforderungen sind erkannt. Lösungen liegen auf dem Tisch. Doch ihre Umsetzung steht unter Vorbehalt. Bildung hat ihren Preis. Die entscheidende Frage bleibt: Was ist sie uns heute wert?
