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Investitionen in bewährte Schulstrukturen anstatt einschneidender Reformen

Mit Sorge beobachtet der Sächsische Lehrerverband, dass sich derzeit so viele sächsische Bürgerinnen und Bürger zur Unterschrift unter einen Volksantrag über die Einführung von Gemeinschaftsschulen überzeugen lassen. Das initiierende Bündnis wirbt mit Versprechungen, die angesichts der Erfahrungswerte aus anderen Bundesländern kaum erfüllbar sind. Es ist fraglich, ob sich alle Unterzeichner der tatsächlichen Konsequenzen einer so einschneidenden Reform bewusst sind.

 Seit zwei Monaten sammelt das „Bündnis für Gemeinschaftsschulen in Sachsen“ Unterschriften für einen Volksantrag, der das bestehende Schulsystem stark verändern könnte. Mit der möglichen Einführung von Gemeinschaftsschulen riskieren die Initiatoren des Volksantrages genau die Fehler zu machen, die in anderen Bundesländern teils zu erheblichen Konflikten, Reformchaos und Absturz im Bildungsmonitor geführt haben.

Das Bündnis wirbt damit, dass Gemeinschaftsschulen dazu beitragen würden, soziale Herkunft und Bildungsleistungen voneinander zu entkoppeln. Das erscheint absurd angesichts der Tatsache, dass Schülerleistungen in Sachsen im Bundesvergleich am wenigsten von der sozialen Herkunft abhängig sind. Gemeinschaftsschulen führen im Durchschnitt dazu, dass das Leistungsniveau gemittelt wird. Das heißt im Klartext, dass das Leistungsniveau auf ein Mittelmaß abfällt. Angesichts des akuten Mangels an qualifizierten Fachkräften in akademischen Berufen, in Handwerk und Industrie sowie im Dienstleistungssektor hätte das mittel- und langfristig dramatische Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Sachsen.

Man muss zudem davon ausgehen, dass bei entsprechender Bildungsempfehlung die Eltern weiterhin das Gymnasium ab Klasse 5 favorisieren werden. Gemeinschaftsschulen bieten in anderen Bundesländern das gleiche, was sächsische Oberschulen und berufliche Gymnasien auch leisten oder leisten könnten. Etwa 17 Prozent der Abiturienten erwerben bereits jetzt die allgemeine Hochschulreife nach einem Realschulabschluss der Oberschule am beruflichen Gymnasium.

Der SLV rät daher Bürgerinnen und Bürgern, vor einer Unterschrift unter dem Volksantrag gut zu überlegen. „Die Konsequenzen dieser Reform wären viel umfassender, als sich viele wahrscheinlich vorstellen“, warnt Petra Müller, stellvertretende Landesvorsitzende des Sächsischen Lehrerverbandes, und fordert stattdessen, in bewährte Schulstrukturen und insbesondere in gut ausgebildete Lehrkräfte zu investieren.

Für ein leistungsgerechtes Schulsystem – zehn Thesen zum Volksantrag „Gemeinschaftsschulen in Sachsen“ (PDF)