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Klarer Kurs für den Umgang mit Konflikten

Referent beim Deutschen Lehrkräftetag

©D. Grille

 Rund 300 Lehrkräfte kamen am 20. März 2026 im Rahmen der Leipziger Buchmesse zum Deutschen Lehrkräftetag 2026 zusammen. Der Fortbildungstag stand unter dem Motto „Klarer Kurs auf gute Bildung“ und setzte einen Schwerpunkt, der viele Schulen aktuell bewegt: gelingendes Konfliktmanagement im Klassenzimmer.

Die Veranstaltung wurde gemeinsam vom Verband Bildung und Erziehung (VBE), dem Verband Bildungsmedien sowie  den VBE-Landesverbänden Sächsischer Lehrerverband (SLV), VBE Sachsen-Anhalt und Thüringer Lehrerverband (tlv) organisiert und durchgeführt.

Konflikte souverän bewältigen

Den inhaltlichen Auftakt setzte der Konfliktpädagoge Raphael Kirsch mit seiner Keynote „Stark im Sturm – Souverän handeln in herausfordernden Klassensituationen“. Kirsch griff eine Alltagssituation auf, die viele Lehrkräfte kennen: „Ich zähle jetzt bis drei.“ Solche Drohungen seien weit verbreitet – und menschlich. Gleichzeitig machte er deutlich: „Wenn du drohst, hast du verloren.“ Drohungen signalisierten Machtlosigkeit und verschärften Konflikte oft.

Aus seiner Erfahrung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie leitete Kirsch zentrale Handlungsempfehlungen ab: Lehrkräfte müssen ihre eigenen Grenzen kennen und benennen. Sie sind nicht für jede Situation allein verantwortlich. Deeskalation erfordert Selbstreflexion und Klarheit im eigenen Handeln.

Ein wichtiger Punkt: Lehrkräfte brauchen einen klar definierten Handlungsrahmen. „Bis wohin bin ich handlungsfähig?“ Diese Frage helfe, in schwierigen Situationen Orientierung zu behalten. Auch Humor kann zur Entschärfung beitragen – jedoch nur, wenn er authentisch ist und zur eigenen Persönlichkeit passt.

Gesellschaftliche Entwicklungen im Blick

Im Anschluss diskutierten Sachsens Kultusminister Conrad Clemens, der Vorsitzende des Verbandes Bildungsmedien e. V. Maximilian Schulyok und VBE-Bundesvorsitzender Tomi Neckov aktuelle Herausforderungen im Schulalltag. Im Fokus standen unter anderem die zunehmende Gewalt gegenüber Lehrkräften, psychische Belastungen bei Schülerinnen und Schülern sowie Mobbing und fehlende Mitbestimmungsmöglichkeiten.

Aktuelle Studien zeigen: Jedes vierte Kind weist psychische Auffälligkeiten auf, ein Drittel erlebt regelmäßig Mobbing. Gleichzeitig wünschen sich viele junge Menschen mehr Beteiligung im Schulalltag. Die Diskussion machte deutlich: Konflikte haben sich verändert – auch durch digitale Medien und gesellschaftliche Entwicklungen. Schulen stehen hier vor neuen Aufgaben.

Mehr Unterstützung für Schulen notwendig

Ein zentrales Thema war die personelle Ausstattung von Schulen. Kultusminister Clemens betonte die Bedeutung multiprofessioneller Teams. Schulpsychologen und Schulsozialarbeit seien wichtige Bausteine, um Lehrkräfte zu entlasten. Gleichzeitig verwies er auf begrenzte finanzielle Spielräume. Ziel sei es, bestehende Strukturen zu sichern und weiterzuentwickeln. Perspektivisch sollen Schulpsychologen stärker in die Schulen eingebunden werden.

Auch strukturelle Ansätze wurden diskutiert wie kleinere Klassen durch sinkende Schülerzahlen, mehr „Puffer“ im System und die stärkere Verankerung von Mitbestimmung, etwa durch Klassenräte. Eine mögliche Klassenleiterstunde könnte künftig Raum für Austausch und Konfliktbearbeitung schaffen.

Lehrerbildung weiterentwickeln

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Ausbildung von Lehrkräften. Diskutiert wurden eine stärkere Praxisorientierung, eine bessere Verzahnung der Ausbildungsphasen und ein größerer Fokus auf Bildungswissenschaften. Ziel ist es, Lehrkräfte nicht nur fachlich, sondern auch persönlich zu stärken. Resilienz, Haltung und Konfliktfähigkeit gewinnen zunehmend an Bedeutung. Der VBE fordert zudem kontinuierliche Supervision und Beratung im Berufsverlauf.

Impulse aus der Praxis

Am Nachmittag konnten die Teilnehmenden aus verschiedenen Formaten wählen. Auch Vertreterinnen und Vertreter des SLV brachten sich aktiv ein.

Im Forum Unterrichtspraxis diskutierte Anne Witter, Vorsitzende des Jungen SLV, die Frage: Wie gelingt gute Leseförderung? Hintergrund sind sinkende Lesekompetenzen, die zugleich eine zentrale Voraussetzung für Bildungserfolg und gesellschaftliche Teilhabe darstellen.

Im Trendforum Bildung zeigte René Michel, 1. Stellv. Landesvorsitzender, gemeinsam mit Marcel Burghardt von Social Web macht Schule Wege auf, wie Schulen mit Konflikten im digitalen Raum umgehen können. Der Fokus lag auf früher Intervention, klarer Haltung und der Einbindung von Eltern.

Zudem beteiligte sich SLV-Landesvorsitzender Michael Jung an einer Diskussion zur Bedeutung des Schreibens als Schlüsselkompetenz. Dabei wurde deutlich: Basiskompetenzen wie Lesen und Schreiben bleiben zentral – auch im digitalen Zeitalter.

Austausch auch über den Lehrkräftetag hinaus

Nicht nur in den Veranstaltungsräumen wurde diskutiert. Auch am gemeinsamen Informationsstand von SLV, tlv und VBE Sachsen-Anhalt herrschte reger Betrieb. Viele Lehrkräfte nutzten die Gelegenheit für Gespräche abseits des Programms. Bei einer Tasse Kaffee oder einer Tüte Popcorn entstanden intensive Austausche, neue Kontakte und wertvolle Einblicke in die Praxis der einzelnen Bundesländer.

Austausch stärkt den Berufsalltag

Der Deutsche Lehrkräftetag 2026 hat gezeigt: Schulen stehen vor komplexen Herausforderungen. Konflikte nehmen zu und verändern sich. Gleichzeitig wächst der Bedarf an Unterstützung, Austausch und praxisnahen Lösungen. Fortbildungsveranstaltungen wie dieser Lehrkräftetag leisten dazu einen wichtigen Beitrag. Sie bieten Raum für fachlichen Input, kollegialen Austausch und neue Perspektiven.

Fotos: Knut Oberdiek und Diana Grille