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Sachsen braucht mehr Lehrkräfte, nicht weniger!

Protest vor Glasfassade in Schwarz-Weiß

Mit der am 19. Mai 2026 veröffentlichten Lehrerbedarfsprognose zieht das Sächsische Staatsministerium für Kultus die falschen Schlussfolgerungen aus sinkenden Schülerzahlen. Statt die Schulen endlich nachhaltig zu stärken, plant der Freistaat nach eigenen Angaben den Abbau von rund 4.600 Lehrerstellen bis 2040. Für den SLV ist das erneut (!) ein bildungspolitischer Irrweg mit Ansage.

Denn entgegen der Langzeitprognosen und Schönwetterreden des SMK ist der Lehrkräftemangel an sächsischen Schulen keinesfalls überwunden und wird es auch in absehbarer Zeit nicht sein. Noch immer werden 640 Kinder nicht beschult. In keiner Schulart kann die vorgesehene Stundentafel vollständig abgesichert werden. Besonders Oberschulen und Schulen im ländlichen Raum arbeiten seit Jahren an der Belastungsgrenze und darüber hinaus.

Schulen brauchen Stabilität und keinen Sparkurs

Der SLV warnt deshalb davor, sinkende Schülerzahlen mit einem sinkenden Bedarf an Lehrkräften gleichzusetzen. Schule funktioniert nicht nach der Logik eines Rechenschiebers. Die Anforderungen steigen weiter: Integration, Sprachförderung, Inklusion und individuelle Förderung verlangen mehr Zeit, mehr Personal und stabile Strukturen – nicht weniger. Gleichzeitig gehen in den kommenden Jahren zahlreiche Lehrkräfte in den Ruhestand.

SLV-Landesvorsitzender Michael Jung erklärt: „Wer jetzt Lehrkräfte abbaut, weil die Schülerzahlen in einzelnen Schularten sinken, verkennt die tatsächliche Lage an den Schulen. Wir haben keine Entwarnung, sondern Dauerstress. Wer beim Personal spart, spart an der Zukunft unserer Kinder und schadet langfristig dem Freistaat.“

Besonders kritisch bewertet der SLV, dass das SMK seine Prognosen erneut ohne ausreichende Reserven aufstellt. Unvorhersehbare Entwicklungen, steigende Unterstützungsbedarfe oder neue gesellschaftliche Herausforderungen spielen offenbar kaum eine Rolle. Aus Sicht des SLV wiederholt Sachsen damit Fehler vergangener Jahre – mit absehbaren Folgen für Unterrichtsversorgung und Bildungsqualität.

Falsche Signale an den Lehrkräftenachwuchs

Auch die aktuelle Steuerung des Lehrkräftenachwuchses sorgt beim SLV für deutliche Kritik. Seit Februar 2026 gelten das Lehramt an Grundschulen sowie die Gemeinde Weinböhla nicht mehr als Bedarfsregionen für den Anwärtersonderzuschlag. Der monatliche Zuschlag von rund 1.250 Euro entfällt dort künftig. Der SLV sieht darin ein fatales Signal für den Lehrkräftenachwuchs mit bereits spürbaren Folgen: So sind die Einstellungszahlen zum 1. Februar 2026 gesunken und die Zahl der Immatrikulationen von Lehramtsstudierenden zum Wintersemester 2026/2027 ist rückläufig.

„Mit der Brechstange lässt sich keine Schule stabilisieren“, betont Michael Jung. „Wer Bewerberinnen und Bewerber nur noch in bestimmte Regionen drängen will, vergrault am Ende genau die Menschen, die wir so dringend brauchen. Sachsen muss attraktiver werden – nicht abschreckender.“

Belastungen an Schulen nehmen weiter zu

Besonders deutlich werden die Folgen des Personalmangels dort, wo Schulen Integration, Sprachförderung und Inklusion verlässlich organisieren sollen. Der Wegfall von Vorbereitungsklassen und die Kürzung spezialisierter DaZ-Stunden verschärfen die Situation zusätzlich. Immer mehr Aufgaben werden auf Klassenlehrkräfte verlagert – ohne zusätzliche Zeit, ohne ausreichende Unterstützung und häufig ohne passende Qualifizierung. Das belastet die Kollegien massiv und gefährdet die Bildungsgerechtigkeit.

Scharfe Kritik übt der SLV außerdem an den Kürzungen bei schul- und personenbezogenen Anrechnungen. Fachberaterinnen und Fachberater, Haupt- und Fachausbildungsleiterinnen und Haupt- und Fachausbildungsleiter sowie weitere Funktionsstellen sichern Beratung, Ausbildung und Qualität im System. Wer hier kürzt, streicht nicht einfach einzelne Stunden – er schwächt die Schulen strukturell.

SLV fordert verlässliche Personalpolitik

Statt überall den Rotstift anzusetzen, fordert der SLV eine verlässliche Personalpolitik und Entlastungen. Dazu gehören schulscharfe Ausschreibungen für alle Schulen, der verbindliche Ausbau der immer wieder versprochenen multiprofessionellen Teams, zusätzliche Stellen für Schulassistenzen und die Entfristung aller im System tätigen Assistenzkräfte. Zudem braucht es deutlich mehr pädagogische Fachkräfte an Förderschulen, Grundschulen und Oberschulen, kleinere Klassen sowie niedrigere Klassenteiler.

Darüber hinaus erwartet der SLV, dass die Empfehlungen des Expertengremiums zur Arbeitszeituntersuchung endlich umgesetzt werden. Dazu gehören insbesondere eine klare Definition und Erfassung der Arbeitszeit von Lehrkräften und Schulleitungen, die Berücksichtigung von Korrekturtätigkeit und Oberstufenunterricht im Bereich der gymnasialen Oberstufe und bei Abschlussjahrgängen der Oberschule sowie die zeitnahe (!) Einführung einer Klassenleitungsstunde an allen Schulen und für alle Klassen.