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SLV mahnt zu bedachten Bildungsreformen

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Das Sächsische Staatsministerium für Kultus präsentierte am 21. Dezember 2023 die Ergebnisse der Beratungen der regionalen Bildungsforen im Rahmen des Projekts „Bildungsland Sachsen 2030“. Aus diesem Anlass plädiert der Sächsische Lehrerverband erneut für eine bedachte Neugestaltung des Bildungssystems, die zukunftsorientiert ist, Bewährtes berücksichtigt und sich nicht nachteilig auf die am Schulprozess Beteiligten auswirkt.

Michael Jung, Landesvorsitzender des Sächsischen Lehrerverbandes, äußerte sich dazu wie folgt: „Das Projekt ‚Bildungsland Sachsen 2030‘ birgt Chancen, aber auch Herausforderungen für das sächsische Schul- und Bildungssystem. Bei der Auswertung der Ergebnisse aus den regionalen Bildungsforen wurde deutlich, wo Schwerpunkte liegen können, sofern ihre Umsetzung realistisch ist. Der SLV begleitet diesen Prozess weiterhin kritisch und stellt klare Forderungen an ein zukunftsorientiertes Bildungssystem, dessen Neuausrichtung nicht nach der Landtagswahl 2024 enden darf! Es wäre beschämend für Sachsen, wenn die engagierte Arbeit aller am Beratungsprozess Beteiligten im Sande verlaufen würde.“

In folgenden wesentlichen Punkten stimmt der SLV zu:

  • Multiprofessionelle Teams an allen Schulen etablieren: Die gesellschaftliche Vielfalt, die sich auch in den Schulen widerspiegelt, erfordert schon längst zusätzliche Unterstützungssysteme, um allen Schülerinnen und Schülern gleiche Bildungschancen zu bieten. Schulsozialarbeit, Schulassistenz, Ergotherapie und weitere Fachkräfte müssen endlich an den Schulen ankommen!
  • Fächerverbindenden und -übergreifenden Unterricht ausbauen: Notwendig sind innovative pädagogische Konzepte, die die Kompetenzen in Kommunikation, Kollaboration, kritischem Denken und Kreativität fördern. Fächerübergreifender Unterricht und Projekte sollen ausgebaut werden.
  • Pädagogisches Personal gewinnen und halten: Der SLV unterstützt die Arbeitszeitstudie des SMK und Vorschläge zur Anpassung des Arbeitspensums, um qualifiziertes pädagogisches Personal zu gewinnen und zu halten.
  • Schule als Team gestalten: Der SLV fordert zusätzliche Stellen für unterstützendes Personal an Schulen, um Schulleitungen zu entlasten. Leistungsanreize für neue Führungskräfte sollen dem Mangel an Schulleitungen entgegenwirken.
  • Digitalisierung fortführen: Dazu gehören eine adäquate Ausstattung, eine leistungsfähige Internetanbindung und Fortbildungen für Lehrkräfte. Die Finanzierung muss gesichert sein und sich auch im Doppelhaushalt 2025/2026 wiederfinden.
  • Fortbildungskatalog für Lehrkräfte erweitern: Der SLV fordert gesetzlich festgelegte Bildungstage, um Lehrkräften mehr Zeit für Fortbildungen zu ermöglichen. Es sollen auch Fortbildungsformate zu aktuellen gesellschaftlichen Themen angeboten werden.

Diese Punkte sieht der SLV kritisch bzw. lehnt sie ab:

  • Realistische statt idealistischer Reformen: Der SLV warnt vor Experimenten, wie z. B. Schulzentren und der weiteren Öffnung von Gemeinschaftsschulen. Reformen sollten die bewährten Grundstrukturen des sächsischen Schulsystems berücksichtigen.
  • Abschaffung der Ziffernbenotung: Der SLV spricht sich für die Beibehaltung der Ziffernbenotung aus, da sie eine klare Orientierung für Schülerinnen und Schüler sowie Eltern bietet.
  • Digitale Selbstlernmodule statt Unterricht: Der Einsatz der Lernmodule erfordert einen hohen Vor- und Nachbereitungsaufwand für die Lehrenden und kann nicht dazu dienen, Unterrichtsausfall zu kompensieren.