Der SLV weist die positive Darstellung von Kultusminister Conrad Clemens zur Unterrichtsausfallstatistik für das erste Halbjahr des Schuljahres 2025/2026 entschieden zurück. Nach Angaben des Staatsministers ist der Unterrichtsausfall – insbesondere an Oberschulen – weiter gesunken. Dies bewertet das Kultusministerium als Erfolg seines Maßnahmenpakets. Aus Sicht des SLV entsteht dadurch ein unvollständiges Bild der Lage an Sachsens Schulen.
Rückgang durch Abordnungen erkauft
Der ausgewiesene Rückgang des Unterrichtsausfalls beruht nach Einschätzung des SLV vor allem auf massenhaften Abordnungen von Lehrkräften. Insgesamt wurden mehr als 6.000 Lehrkräfte abgeordnet, rund 4.000 davon aus Grundschulen. Der Effekt ist klar: Der Rückgang an einer Schulart geht zulasten anderer Bereiche. Eine nachhaltige Verbesserung der Unterrichtsversorgung entsteht so nicht.
Grundschulen zunehmend unter Druck
Besonders Grundschulen geraten in dieser Entwicklung ins Hintertreffen. Dort kommt es immer häufiger zu Einschränkungen im Unterricht. Klassen werden aufgeteilt, Lerngruppen zusammengelegt. Verlässlicher Unterricht ist vielerorts nicht mehr durchgängig gesichert. Gerade in den ersten Schuljahren wirkt sich das besonders gravierend aus, da hier die Grundlagen für weitere Bildungsbiografien gelegt werden.
Statistik bildet Realität nur unvollständig ab
Ein zentrales Problem liegt in der Erfassungsmethodik der Unterrichtsausfallstatistik. Unterricht gilt nur dann als ausgefallen, wenn er vollständig entfällt. Viele Formen von Einschränkungen erscheinen daher nicht in den Zahlen. Dazu zählen: aufgeteilte Klassen, vor allem an Grundschulen, zusammengelegte Lerngruppen mit deutlich mehr Schülerinnen und Schülern, fachfremd erteilter Unterricht, digital gestütztes Selbstlernen ohne direkte Anleitung oder Unterrichtsstunden, die von vornherein nicht eingeplant wurden. Diese Praxis führt dazu, dass die Statistik ein geschöntes Bild vermittelt. Ein Teil der tatsächlichen Unterrichtsausfälle bleibt unsichtbar.
Mehr Unterricht durch weniger Entlastung
Der Rückgang beim Unterrichtsausfall beruht weder auf zusätzlichem Personal noch auf tragfähigen Strukturen. Stattdessen wurden dem System gezielt Zeitressourcen entzogen und in Unterricht umgewandelt. Grundlage dafür sind die zahlreiche Eingriffe in bestehende Entlastungsstrukturen. Dazu zählen die Kürzung von Altersanrechnungen, die Reduzierung von Anrechnungsstunden für Fachberatung und Lehrerausbildung sowie weitere Einschränkungen bei schulbezogenen Entlastungen. Die so frei gewordenen Stunden werden nun für die Unterrichtsabsicherung eingesetzt. Das Kultusministerium beziffert diesen Effekt auf rund 800 zusätzliche Vollzeitäquivalente.
Es handelt sich dabei nicht um einen tatsächlichen Personalzuwachs, sondern um eine Umverteilung von Arbeitszeit innerhalb des Systems Schule. Für eine sachgerechte Bewertung müsste berücksichtigt werden, dass diese Kapazitäten an anderer Stelle fehlen.
Anstieg der Arbeitsbelastung
Parallel dazu steigt die Arbeitsbelastung für das schulische Personal weiter an. In den kommenden Monaten mit Prüfungen und Korrekturen arbeiten viele Lehrkräfte deutlich über die zulässigen Höchstgrenzen hinaus.
Die Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes ist in vielen Fällen nicht gewährleistet. Kurzfristige Maßnahmen sind notwendig, um die Belastung zu reduzieren und die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten.
Der SLV fordert eine transparente und realitätsnahe Erfassung des Unterrichtsausfalls. Zudem braucht es ein Ende der massenhaften Abordnungen zulasten anderer Schularten, eine Personalplanung nach dem Prinzip „100 Prozent plus Reserve“, zusätzliche und eigenständige Stellen für Assistenzkräfte, verlässliche Entlastungen für Lehrkräfte sowie ausreichend Anrechnungsstunden.
