Beim Fachdialog „Weniger Handy. Mehr Digitalisierung. Stärkere Kompetenzen“ am 28. August 2025 in Dresden hat Kultusminister Conrad Clemens ein landesweites Smartphone-Verbot an Grundschulen angekündigt. Ab dem zweiten Schulhalbjahr 2025/2026 soll es in der Grundschulordnung verankert werden.
Damit reagierte der Minister auf die kontroverse Debatte, die in den vergangenen Wochen geführt wurde. Noch offen bleibt, wie mit der Smartphone-Nutzung an weiterführenden Schulen umgegangen wird. Das Kultusministerium kündigte an, die laufenden Diskussionsrunden auszuwerten. Anfang 2026 soll in einem weiteren Fachdialog über konkrete Regelungen für Oberschulen, Gymnasien und berufsbildende Schulen gesprochen werden. Geplant ist zudem ein Orientierungsrahmen zur Vermittlung von Medienkompetenz.
Position des SLV
Der Sächsische Lehrerverband hatte sich im Vorfeld klar gegen ein pauschales Verbot an allen Schulen ausgesprochen. Stattdessen fordert die Gewerkschaft praktikable, schulartspezifische Lösungen und einen verbindlichen rechtlichen Rahmen, der Lehrkräften Handlungssicherheit gibt.
„Lehrkräfte bewegen sich zwischen Medienbildung und Smartphone-Verbot. Wenn sich der Landtag für ein Verbot entscheidet, muss es praktikabel sein und grundlegende Fragen im Vorfeld klären“, betonte René Michel, erster stellvertretender Landesvorsitzender, vor dem Fachdialog.
Unterschiedliche Bedarfe nach Schularten
Die Fachverbände des SLV machen deutlich:
- Grundschulen: Ein Smartphone-Verbot ist sinnvoll, um Kindern einen späteren Einstieg in die digitale Nutzung zu ermöglichen. Lehrkräfte brauchen hier eine einheitliche Regelung und Rechtssicherheit.
- Förderschulen: Erforderlich sind einfache, gesetzlich verankerte Grundregeln, ergänzt durch schulinterne Absprachen gemeinsam mit Schülerräten.
- Oberschulen: Ein Verbot ist derzeit schwer umsetzbar, solange es an Schulassistenzen und multiprofessionellen Teams fehlt. Zunächst müssen diese Strukturen geschaffen werden.
- Gymnasien: Hier gehen die Meinungen auseinander. Wichtig ist ein offener Dialog mit dem Kultusministerium, um praktikable Lösungen zu finden.
- Berufsbildende Schulen: Smartphones sind häufig Teil des Lernens, da viele Auszubildende ihre eigenen Geräte für Mitschriften oder Übersetzungen nutzen, weil die schulische Ausstattung nicht ausreicht.
Mehr Zeit und Fortbildung für Lehrkräfte
Der SLV fordert außerdem gezielte Fortbildungen für Lehrkräfte im Bereich Medienbildung und feste Unterrichtszeiten – etwa in Form einer Klassenleitungsstunde –, um mit Schülerinnen und Schülern über einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien arbeiten zu können.
Fazit
Mit dem nun angekündigten Smartphone-Verbot an Grundschulen setzt die Politik ein deutliches Signal. Für den SLV ist jedoch entscheidend, dass auch an den weiterführenden Schulen tragfähige Lösungen gefunden werden, die die Realität vor Ort berücksichtigen und Lehrkräfte nicht zusätzlich belasten.