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Herausforderungen und Perspektiven im Gespräch mit Kultusminister Christian Piwarz

©Florian Schneider

In anregender und konstruktiver Atmosphäre diskutierten die Mitglieder des Geschäftsführenden Vorstandes am 7. März 2024 in der Landesgeschäftsstelle des SLV mit Kultusminister Christian Piwarz über drängende Themen im Bildungsbereich. Ein Blick hinter die Kulissen offenbarte alte und neue Herausforderungen sowie den gemeinsamen Wunsch nach konstruktiven Lösungen. Themen des Gesprächs waren unter anderem die Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die Entlastung der Schulen, die Lehrerausbildung in Sachsen sowie der aktuelle Stand zum Projekt „Bildungsland Sachsen 2030“.

Herausforderungen bei der Integration von Heranwachsenden mit Migrationshintergrund

Die anhaltende Zuwanderung stellt Schulen vor die Herausforderung, Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund adäquat zu integrieren. Ressourcenmangel an den Schulen und eine ungleiche Verteilung der geflüchteten Kinder und Jugendlichen auf die Regionen des Freistaates erschweren die Vergabe von Schulplätzen. Freie Schulen zeigen zudem Zurückhaltung bei der Aufnahme weiterer Schüler, was durch finanzielle Anreize möglicherweise verbessert werden könnte.

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Kritisch betrachtet der SLV das vom SMK initiierte Bildungsangebot „Lernen durch Praxis“, bei dem geflüchtete Jugendliche ohne oder mit stark unterbrochener Bildungslaufbahn statt in die Schule in den Arbeitsmarkt integriert werden sollen. Bedenken wurden geäußert, dass bestehende Integrationsprobleme lediglich von Oberschulen auf Berufsschulzentren verlagert werden könnten.

Entlastung der Schulen

Die Situation der Schulassistenten, ihre befristete Einstellung und die Besetzung von Lehrerstellen waren ebenfalls Thema. Der SLV fordert die flächendeckende Einführung von Assistenzsystemen an Schulen, um Lehrkräfte von zusätzlichen Aufgaben zu entlasten. Positive Signale gab es seitens des SMK bezüglich weiterer Entfristungen und einer geplanten Aufstockung der Assistenzstellen im neuen Doppelhaushalt 2025/2026, jedoch bleibt deren Umsetzbarkeit angesichts der Landtagswahl und möglicher politischer Veränderungen abzuwarten.

Die problematische Besetzung von Schulleiterstellen aufgrund unattraktiver Arbeitsbedingungen und die veraltete Beförderungspraxis in Sachsen wurden ebenso angesprochen. Die nur langsam voranschreitende Digitalisierung im Bildungsbereich und das Projekt „Digitaler Schreibtisch“ des SMK wurden diskutiert, wobei Staatsminister Christian Piwarz deutlichen Verbesserungsbedarf zugab.

Lehrerausbildung: Regionalisierung und Reformen

Der SLV begrüßt die vom SMK angestrebte Ausweitung der Lehrerausbildung auf den ländlichen Raum als richtigen, aber längst überfälligen Schritt. Die Einrichtung der Lehrerausbildungsstätte in Löbau für Referendare an Oberschulen und Förderschulen, die Erweiterung der Grundschullehrerausbildung an der TU Chemnitz auf die Oberschule und das Fach Mathematik sowie die geplante Kooperation der Universität Leipzig mit der Westsächsischen Hochschule Zittau/Görlitz werden als positiv gewertet.

Der SLV sieht aber auch deutlichen Reformbedarf in der universitären Lehrerausbildung. Studieninhalte, insbesondere in den MINT-Fächern, müssen sich viel stärker an den Bedürfnissen der angehenden Lehrkräfte und der tatsächlichen Unterrichtspraxis orientieren. Dazu gehören auch mehr verpflichtende Praxisanteile im Studium. In diesem Zusammenhang wurde das neue duale Grundschullehramtsstudium an der BTU Cottbus-Senftenberg diskutiert, das zum Wintersemester 2023/2024 erstmals angeboten wurde und sich durch einen hohen Praxisbezug auszeichnet. Der Staatsminister äußerte sich skeptisch, ob eine starke Praxisorientierung sinnvoll sei. Er teilte die Sorge, dass die Qualität des Lehramtsstudiums darunter leiden könne und gesellschaftliche Inhalte (BNE, Medienbildung, Digitalisierung, politische Bildung etc.) gegebenenfalls zu kurz kämen.

Die Wertschätzung für Mentorinnen und Mentoren an Schulen wurde betont, mit dem Vorschlag, ihre Tätigkeit höher zu bewerten. Staatsminister Piwarz erkennt ihren Zeit- und Arbeitsaufwand sowie ihr hohes Engagement an, wies jedoch auf die begrenzten Möglichkeiten einer angemessenen Kompensation aufgrund des vorherrschenden Lehrkräftemangels hin.

Bildungsland Sachsen 2030: Neuausrichtung des Bildungssystems

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In der Diskussion über die strategische Ausrichtung des sächsischen Bildungssystems wurde das laufende Projekt „Bildungsland Sachsen 2030“ thematisiert. Christian Piwarz skizzierte die drei zentralen Säulen des Strategiepapiers, das Anfang Mai 2024 der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll. Diese sind die Stärkung der Eigenverantwortung der Schulen, der verantwortungsvolle Umgang mit digitalen Lehr- und Lernmitteln sowie die Gestaltung und Steuerung multiprofessioneller Teams an Schulen. Er stellte ein zukunftsweisendes Strategiepapier in Aussicht, das zu einer qualitativen Weiterentwicklung des sächsischen Bildungssystems führen werde. Darüber hinaus kündigte Piwarz eine Umstellung der Budgetvergabe an die Schulen an, um ihnen mehr Freiheiten bei der Mittelverwendung zu ermöglichen.

Stärkung der frühkindlichen Bildung

Die Einführung eines verpflichtenden Vorschuljahres wurde thematisiert, wobei der Minister die Notwendigkeit betonte. Die Entscheidung darüber hängt von politischen Mehrheitsverhältnissen nach der Landtagswahl ab. Der SLV wird die frühkindliche Bildung auf jeden Fall zu einem Thema seiner Wahlprüfsteine machen.