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Pädagogische Fachkräfte im Unterricht – bewährte Unterstützungsstrukturen dauerhaft sichern!

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©Bild von teravector auf Magnific

Der kurzfristige Abzug der Pädagogischen Fachkräfte im Unterricht aus den Klassen mit dem Förderschwerpunkt Lernen sorgt an Sachsens Förderschulen für große Verunsicherung. Der Fachverband Förderschulen hat deshalb Kultusminister Conrad Clemens in einem offenen Brief zum Handeln aufgefordert:

Sehr geehrter Herr Staatsminister,

der kurzfristig veranlasste Abzug der Pädagogischen Fachkräfte im Unterricht (PFiU) aus den Klassen mit dem Förderschwerpunkt Lernen ist für den Fachverband Förderschulen des Sächsischen Lehrerverbandes nicht nachvollziehbar.

Seit Jahren weisen wir darauf hin, dass der primär festgestellte Förderschwerpunkt Lernen die tatsächliche Komplexität der Unterstützungsbedarfe vieler Schülerinnen und Schüler nur unzureichend abbildet. Lernbeeinträchtigungen gehen zunehmend mit zusätzlichen Entwicklungsbedarfen einher, insbesondere in den Bereichen Sprache, Motorik, emotionale und soziale Entwicklung sowie Verhalten. Die Heterogenität der Schülerschaft stellt Lehrkräfte vor Anforderungen, denen sie allein nicht mehr gerecht werden können.

Die vor drei Jahren geschaffene Möglichkeit, PFiU auch an Schulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen einzusetzen, war daher fachlich konsequent und dringend erforderlich. Obwohl ihr Einsatz an unbesetzte Lehrerstellen gebunden und somit von Beginn an strukturell unzureichend abgesichert war, konnte an den betreffenden Schulen ein wirksames multiprofessionelles Unterstützungssystem aufgebaut werden.

Die PFiU haben sich in dieser Zeit als unverzichtbarer Bestandteil der schulischen Arbeit erwiesen. Sie unterstützen die individuelle Förderung, stabilisieren Unterrichts- und Erziehungsprozesse und tragen wesentlich dazu bei, dass Lehrkräfte ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag auch unter zunehmend komplexen Bedingungen erfüllen können. Zugleich sind verlässliche pädagogische Beziehungen zu Schülerinnen und Schülern entstanden, die aufgrund ihrer persönlichen und sozialen Lebenslagen in besonderem Maße auf Kontinuität, Orientierung und tragfähige Bezugspersonen angewiesen sind.

Mit dem kurzfristigen Abzug der PFiU entfallen zusätzliche personelle Ressourcen. Dadurch werden funktionierende Unterstützungsstrukturen aufgelöst, etablierte Arbeitsprozesse unterbrochen und gewachsene pädagogische Beziehungen beendet. Die bisher von den PFiU übernommenen Aufgaben bestehen unverändert fort und müssen künftig wieder vollständig von den Lehrkräften aufgefangen werden.

Diese Entscheidung steht in einem offenkundigen Widerspruch zu den erklärten bildungspolitischen Zielen des Freistaates Sachsen. Während in der Öffentlichkeit die Bedeutung multiprofessioneller Teams, die Entlastung der Lehrkräfte und die Verbesserung der Bildungsgerechtigkeit hervorgehoben werden, wird an den Schulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen ein über drei Jahre erfolgreich aufgebautes Unterstützungssystem ersatzlos zurückgenommen.

Die praktischen Erfahrungen belegen die Notwendigkeit, den Einsatz der Pädagogischen Fachkräfte im Unterricht (PFiU) verbindlich in den entsprechenden Verwaltungsvorschriften zu verankern.

Haushalterische Entscheidungen dürfen nicht dazu führen, dass wirksame Unterstützungssysteme aufgelöst und die absehbaren Folgen den Schulen überlassen werden.

Der Fachverband Förderschulen fordert daher:

  • den dauerhaften und verbindlichen Einsatz von Pädagogischen Fachkräften (PFiU) an allen Förderschularten sowie deren entsprechende Verankerung in den einschlägigen Verwaltungsvorschriften,
  • eine verlässliche personelle und organisatorische Planungssicherheit für alle Förderschulen.

Wer multiprofessionelle Teams, Bildungsgerechtigkeit und individuelle Förderung zu zentralen bildungspolitischen Zielen erklärt, trägt auch die Verantwortung dafür, die notwendigen personellen Strukturen bereitzustellen und diese dauerhaft abzusichern. Politische Zielsetzungen verlieren ihre Glaubwürdigkeit, wenn ihnen Entscheidungen gegenüberstehen, die in der schulischen Praxis das Gegenteil bewirken.

Bitte legen Sie dar, mit welchen Maßnahmen Sie den weiteren Einsatz Pädagogischer Fachkräfte im Unterricht in Klassen mit dem Förderschwerpunkt Lernen unverzüglich sicherstellen und dauerhaft gewährleisten werden. Eine Korrektur der aktuellen Situation ist unumgänglich.

Für ein zielführendes Gespräch sind wir gern bereit.

Mit freundlichen Grüßen

Rainer Kuntzsch, Sabine Köhler und Carina Hausmann
Mitglieder des Fachverbandsvorstandes