Bekannte Stärken, aber auch spürbare Dämpfer
Sachsen erreicht laut Studie erneut die Spitzenplätze in den Handlungsfeldern Schulqualität, Förderinfrastruktur, Bildungsarmut und Forschungsorientierung sowie Rang zwei bei der Ausgabenpriorisierung für Bildung. Auch bei der Qualifikation des Kita-Personals liegt der Freistaat vorn: Der Anteil ungelernter Kräfte ist unterdurchschnittlich, und mit 13,7 Prozent verfügen fast doppelt so viele Beschäftigte über einen Hochschulabschluss wie im Bundesschnitt (7,4 Prozent).
„Diese Zahlen sind kein Zufall, sie sind das Ergebnis der Arbeit unserer engagierten Lehr- und Fachkräfte“, sagt Michael Jung, Landesvorsitzender des Sächsischen Lehrerverbandes. „Aber wer genau hinschaut, sieht auch die Rissbildung: Sachsen ist zwar weiterhin Erster, hat im Vergleich zum Vorjahr aber spürbar an Punkten verloren, während andere Länder aufgeholt haben. Eine Spitzenposition, die trotz sinkender Werte gehalten wird, ist kein Grund für ein ‚Weiter so!‘. Unser Spitzenplatz wackelt von innen, auch wenn er von außen noch stabil aussieht.“
Schlechte Betreuungsrelation bleibt Dauerthema
Der Bildungsmonitor selbst benennt erneut Verbesserungsbedarf bei der Betreuungsrelation in Kindertageseinrichtungen und bei der Zeiteffizienz, unter anderem wegen eines vergleichsweise hohen Anteils später eingeschulter Kinder.
Für Michael Jung bestätigt das eine Kritik, die der SLV schon lange äußert: „Genau hier setzt unsere Forderung an. Die Betreuungsrelation in den Kitas ist stark verbesserungswürdig, deshalb darf frei werdendes Personal durch den Geburtenrückgang nicht abgebaut, sondern muss für einen besseren Schlüssel genutzt werden. Und wenn überdurchschnittlich viele Kinder später eingeschult werden, spricht das dafür, die Startbedingungen vor der Einschulung zu vereinheitlichen – mit dem im Koalitionsvertrag versprochenen verpflichtenden, kostenlosen Vorschuljahr. Beides sind keine neuen Ideen von uns, das bestätigt jetzt die Studie, auf die sich die Staatsregierung sonst so gerne beruft.“
Abordnungen und Ganztagskürzungen gefährden die Basis
Kritisch bewertet Michael Jung, dass die guten Werte bei Schulqualität und Förderinfrastruktur zunehmend auf einer angespannten Personaldecke beruhen: „Die Zahlen zur Ganztagsbetreuung und zur Schulqualität spiegeln den Stand von gestern, nicht die Belastung von heute. Wenn Grundschullehrkräfte in großer Zahl an Ober- und Förderschulen abgeordnet werden, um dort Lücken zu stopfen, fehlen sie an ihrer eigentlichen Schule genau bei der Vermittlung von Lese- und Mathekompetenzen. Und wenn die Mittel für die Ganztagsangebote von Jahr zu Jahr sinken, wie im Doppelhaushalt 2027/2028 vorgesehen, wird aus der heutigen Förderinfrastruktur schrittweise eine, die auf dem Papier noch gut aussieht, in der Praxis aber ausgedünnt ist.“
Forderungen des SLV
Unabhängig vom erneuten ersten Platz fordert der SLV von der Staatsregierung:
- freiwerdende Kapazitäten im Kita-Bereich durch den Geburtenrückgang für einen besseren Personalschlüssel zu nutzen, statt Personal abzubauen,
- das im Koalitionsvertrag zugesagte verpflichtende, kostenlose Vorschuljahr mit einem konkreten Zeitplan zu unterlegen,
- die Abordnung von Grundschullehrkräften an Ober- und Förderschulen zu begrenzen, um die Basiskompetenzvermittlung in der Grundschule nicht weiter zu schwächen,
- die vorgesehene Kürzung der Ganztagsmittel im Doppelhaushalt 2027/2028 zurückzunehmen,
- den verbindlichen Aufbau multiprofessioneller Teams an jeder Schule voranzutreiben.
Abschließend konstatiert Michael Jung: „Ein erster Platz mit sinkender Punktzahl ist kein Anlass zum Feiern, sondern eine Frist. Die Studie zeigt, wo wir ansetzen müssen – jetzt muss die Staatsregierung auch handeln.“
