„An der Seite der Lehrkräfte“ lautet das Motto des diesjährigen Weltlehrkräftetages. 60 Jahre nach der Verabschiedung der UNESCO/ILO-Empfehlung über den Status der Lehrkräfte geht es auch um die Frage, welchen Stellenwert der Lehrerberuf tatsächlich hat. Für den Sächsischen Lehrerverband ist klar: Wer Lehrkräfte stärken will, muss ihnen endlich bessere Arbeitsbedingungen bieten.
„Wer die Stellung der Lehrkräfte heute stärken will, darf nicht bei Dankesworten stehen bleiben. Lehrkräfte brauchen Bedingungen, unter denen sie ihren Beruf professionell ausüben können. Dazu gehören ausreichend Zeit für Unterricht und pädagogische Arbeit, verlässliche Unterstützung und spürbare Entlastung. Außerdem müssen sie stärker an bildungspolitischen Entscheidungen beteiligt werden“, erklärt Landesvorsitzender Michael Jung.
Arbeitszeitstudie darf nicht folgenlos bleiben
Neben dem Unterricht bewältigen Lehrkräfte zahlreiche weitere Aufgaben. Dazu gehören u. a. Klassenleitung, Beratung, Korrekturen, Prüfungen, Dokumentation und Organisation verschiedener Veranstaltungen. Die vom Sächsischen Staatsministerium für Kultus beauftragte Arbeitszeituntersuchung hat die hohe Arbeitsbelastung von Lehrkräften und Schulleitungen bestätigt und konkreten Handlungsbedarf aufgezeigt.
Der SLV fordert deshalb unter anderem eine verlässliche Arbeitszeiterfassung, eine angemessene Berücksichtigung von Korrekturtätigkeiten und Oberstufenunterricht sowie eine sofortige Klassenleitungsstunde für alle Klassenstufen. Seit dem Schuljahr 2026/2027 können Lehrkräfte freiwillige Arbeitszeitkonten nutzen und ihre Unterrichtsverpflichtung zeitweise erhöhen. Das grundlegende Problem der hohen Gesamtbelastung wird dadurch aus Sicht des SLV aber nicht gelöst. Hinzu kommt, dass die Arbeitszeitkonten bei den Lehrkräften bislang auf sehr geringe Resonanz stoßen, da es keinerlei Flexibilität beim Ansparen und Absetzen der angesparten Arbeitszeitkonten gibt.
Lehrkräfte nicht gegen Assistenzkräfte ausspielen
Grundsätzlich begrüßt der SLV den im Haushaltsentwurf 2027/2028 vorgesehenen eigenen Stellenplan für Schulassistenzkräfte und Pädagogische Fachkräfte im Unterricht. Kritisch bewertet er jedoch die Ausgestaltung des neuen Drei-Säulen-Modells im Haushaltsentwurf. Vorgesehen sind 30.230 Stellen für Lehrkräfte sowie 700 Stellen für Pädagogische Fachkräfte im Unterricht und 800 Stellen für Schulassistenzkräfte. Damit bleibt die Gesamtzahl von 31.730 Stellen auf dem Niveau von 2026.
„Unterstützungspersonal ist an allen Schulen dringend notwendig. Es darf aber nicht gegen Lehrkräfte ausgespielt werden“, betont Michael Jung. „Wenn aus 1.500 Stellen für Pädagogische Fachkräfte und Schulassistenzen zugleich ein Rückgang bei den Lehrerstellen wird, ist das keine echte Verstärkung der Schulen. Wir brauchen beides: ausreichend Lehrkräfte und multiprofessionelle Unterstützung an allen Schulen!“
Der SLV fordert deshalb, den Ausbau multiprofessioneller Teams zusätzlich zur notwendigen Ausstattung mit Lehrkräften zu finanzieren. Ebenso wichtig ist eine langfristige Personalplanung, die sich nicht allein an der Zahl der Schülerinnen und Schüler orientiert. Entscheidend ist auch, welche Aufgaben Schulen künftig erfüllen sollen und wie viel Personal sie dafür tatsächlich benötigen.
Heterogene Klassen, Integration, Sprachförderung, individuelle Förderung und steigende Verwaltungsanforderungen benötigen Zeit und zusätzliche Lehrkräfte. Eine nachhaltige Personalplanung muss diese Aufgaben berücksichtigen, statt den Lehrkräftebedarf ausschließlich anhand von Schülerzahlen zu berechnen.
Lehrkräftenachwuchs wieder gezielt fördern
Besonders widersprüchlich bewertet der SLV den derzeitigen Umgang des SMK und des Landesamtes für Schule und Bildung mit dem Berufsnachwuchs. Lehramtsabsolventinnen und -absolventen erhalten vielfach nur noch Stellenangebote für Bedarfsregionen außerhalb der Universitätsstädte. Gleichzeitig plant das SMK, den Anwärtersonderzuschlag ab 2027 schrittweise abzuschaffen. Damit entfällt ein wichtiger Anreiz, mit dem man Nachwuchslehrkräfte für ländliche Bedarfsregionen gewinnen wollte. Für den SLV ist zudem absolut unverständlich, dass das Teach-First-Deutschland-Fellow-Programm und das FSJ-Pädagogik aus Geldgründen ab Februar 2027 abgebaut und nicht mehr fortgesetzt werden sollen.
„Dies ist ein Widerspruch, der deutlich zeigt, wie man in Sachsen über Umwege – zum Beispiel über weniger Einstellungen und geringere Anreize – Lehrpersonal bewusst abbauen will“, konstatiert Michael Jung.
Gleichzeitig müssen Referendarinnen und Referendare seit diesem Schuljahr zwei Wochenstunden mehr selbstständig unterrichten. Das SMK verbindet damit eine Verbesserung der Unterrichtsversorgung.
„Die Ausbildung junger Lehrkräfte darf nicht zur kurzfristigen Personalreserve werden“, so Michael Jung. „Wer den Berufsnachwuchs gewinnen und halten will, muss in eine gute Ausbildung und attraktive Arbeitsbedingungen investieren.“
Der SLV fordert das SMK auf, die Ergebnisse der Arbeitszeituntersuchung konsequent umzusetzen und für spürbare Entlastungen zu sorgen. Ebenso muss der geplante Abbau von Lehrerstellen gestoppt werden. Zusätzliche Assistenzkräfte müssen auch tatsächlich zusätzlich finanziert werden. Gleichzeitig gilt es, den Lehrkräftenachwuchs wieder gezielt zu fördern und den Lehrerberuf attraktiv zu machen.
