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SLV übergibt Kultusminister Clemens einen klaren Arbeitsauftrag

Michael Jung übergibt Conrad Clemens am 11. August 2026 den Abordnungsbescheid; ©Florian Schneider

Michael Jung übergibt Conrad Clemens am 11. August 2026 den Abordnungsbescheid; ©Florian Schneider

Zum Schuljahresstart 2026/2027 hat der Sächsische Lehrerverband ein deutliches Zeichen gesetzt. Im Anschluss an die Pressekonferenz von Kultusminister Conrad Clemens am 11. August 2026 übergab SLV-Landesvorsitzender Michael Jung dem Minister einen offenen Brief – symbolisch verpackt in einem übergroßen „Abordnungsbescheid an eine sächsische Lehrkraft“, versehen mit dem Vermerk „Zurück an Absender, mit der Bitte um Bearbeitung“.

Die Botschaft dahinter ist ernst gemeint: Nach dem Maßnahmenpaket des SMK vom 27. Mai 2025 reicht der bisherige Kurs nicht aus. Es ist Zeit, dass das Kultusministerium die Folgen seiner eigenen Abordnungspolitik selbst in die Hand nimmt.

Ein Jahr Maßnahmenpaket – eine ernüchternde Bilanz

Als das Maßnahmenpaket vor über einem Jahr vorgestellt wurde, versprach das SMK eine spürbare Verbesserung der Unterrichtsversorgung. Aber der Lehrkräftemangel wurde damit nicht gelöst, sondern lediglich gleichmäßig auf alle Schularten verteilt. Diese Umverteilung hat einen hohen Preis, den in der öffentlichen Debatte bislang kaum jemand benennt.

Eine Schule ist mehr als eine Stundentafel. Sie ist ein gewachsenes System, ein Kollegium, eine Gemeinschaft – mit Rollen, Verantwortlichkeiten und Vertrauensverhältnissen, die sich nicht von einem Tag auf den anderen ersetzen lassen. Wird eine Lehrkraft abgeordnet, verschwindet mit ihr nicht nur eine Zahl aus der Stundentafel der Stammschule. Es verschwinden die Klassenleitung, die Fachkonferenzleitung, die Vertrauensperson für Schülerinnen und Schüler und die eingespielte Zusammenarbeit im Kollegium. All das müssen die verbleibenden Kolleginnen und Kollegen auffangen – ohne zusätzliche Zeit, ohne zusätzliches Personal, ohne jeden Ausgleich.

Kultusminister Clemens betont bei jeder Gelegenheit, was abgeordnete Lehrkräfte an ihrer neuen Schule dazulernen. Der SLV stellt dem eine klare Frage entgegen: Wiegt dieser Lerngewinn die strukturelle, organisatorische und pädagogische Lücke auf, die an der Stammschule zurückbleibt? Unsere Antwort ist Nein! Eine Umverteilung, die die Geberschule schwächt, um die Nehmerschule zu stärken, löst den Lehrkräftemangel nicht – sie verteilt seine Folgen auf dem Rücken zweier Kollegien statt eines.

Nicht das Ob, sondern das Wie

Neben der grundsätzlichen Kritik an der Umverteilungslogik richtet sich der Unmut vieler Lehrkräfte vor allem gegen die Art und Weise, wie SMK und Landesamt für Schule und Bildung die Abordnungen praktisch umsetzen.

Der SLV hatte seine Mitglieder in den Sommerferien gezielt um Rückmeldungen zum Ablauf ihrer persönlichen Abordnungsverfahren gebeten. Bereits in den ersten Ferientagen gingen zahlreiche Reaktionen in unserer Geschäftsstelle ein – und das Bild war eindeutig: erneut fehlende Transparenz, erneut kaum Planungssicherheit, erneut zu wenig Zeit zur fachlichen und pädagogischen Vorbereitung auf neue Klassenstufen und Schularten. Das, obwohl uns vorab eine langfristigere und besser vorbereitete Planung versichert worden war.

Bemerkenswert dabei: Die weit überwiegende Mehrheit der betroffenen Kolleginnen und Kollegen stellt die grundsätzliche Notwendigkeit von Abordnungen gar nicht infrage. Kritisiert wird nicht das Ob, sondern das Wie – und genau dieses Wie ist auch in diesem Jahr wiederholt misslungen.

Unser Arbeitsauftrag für das Schuljahr 2026/2027

Mit dem offenen Brief macht der SLV deutlich: Der neue Kurs muss über die Abordnungen hinausgehen. Wir haben sieben konkrete Forderungen formuliert und damit einen klaren politischen Arbeitsauftrag an das Kultusministerium verbunden:

  1. Keine weiteren flächendeckenden Abordnungen zulasten anderer Schularten. Eine Politik, die Stammschulen systematisch schwächt, um Statistiken an anderer Stelle zu verbessern, tragen wir nicht länger mit.
  2. Eine Personalplanung mit echter Reserve – statt der fortlaufenden Verwaltung des Mangels auf dem Rücken der Kollegien.
  3. Spürbare Entlastungen für Lehrkräfte, die auch ankommen – statt Ankündigungen, die auf dem Papier bleiben.
  4. Zusätzliche, eigenständige Haushaltsstellen für Assistenzkräfte – verlässlich, ausreichend dimensioniert und mit echten Zukunftsaussichten für die Beschäftigten.
  5. Ausreichend Anrechnungsstunden und die konsequente Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes.
  6. Eine transparente, realitätsnahe Erfassung des Unterrichtsausfalls – ohne Schönrechnen.
  7. Eine echte Einbindung der schulischen Praxis in bildungspolitische Entscheidungen – bevor sie getroffen werden, nicht erst danach.

Wie es jetzt weitergeht

Das neue Schuljahr darf nicht nach denselben Regeln beginnen wie das vergangene. Der SLV bietet dem Ministerium seine Expertise aus der schulischen Praxis an – aber kein stilles Einverständnis. Wir werden die Umsetzung dieses Arbeitsauftrages sehr genau verfolgen.

Den vollständigen offenen Brief an Kultusminister Conrad Clemens finden Sie →hier zum Nachlesen.