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Statements der Parteien zum Thema “Digitalisierung”

Die Digitalisierung wird künftig noch stärker den Alltag in Schulen und Klassenzimmern bestimmen. Wenn die notwendigen technischen Investitionen erfolgt sind, werden sich neue Möglichkeiten eröffnen. Für den SLV sind im Zuge der Einführung digitaler Produkte und Prozesse stets die Chancen für den Lernerfolg des Schülers sowie der Nutzen zugunsten von Entlastungen der Lehrerinnen und Lehrer ausschlaggebend. Je umfangreicher digitale Technik in den Schulalltag Einzug hält, desto größer wird der tagtägliche Aufwand zur Gewährleistung ihrer Funktionsfähigkeit. Der technische Support kann grundsätzlich nicht Aufgabe der Lehrkräfte sein und darf nicht an den finanziellen Möglichkeiten der Schulträger scheitern.

a. Welche Vorstellung hat Ihre Partei, dass die Einführung digitaler Produkte und Prozesse in den Schulen zum Lernerfolg des Schülers und zu Entlastungen von Lehrerinnen und Lehrern beitragen können?

b. Wie stellt sich Ihre Partei die kontinuierliche Unterstützung der Schulen, Lehrkräfte und Schulträger bei der Einführung sowie der kontinuierlichen Instandhaltung und Erneuerung digitaler Technik vor?

Sächsische Union

Wir sind der Überzeugung, dass die Einführung digitaler Prozesse zur Verbesserung des Lernerfolges beitragen und Lehrpersonal entlasten wird. Voraussetzung ist aus unserer Sicht jedoch, dass die Umsetzung in den Schulen nicht verordnet wird, sondern auf der Grundlage selbst erstellter Konzepte und damit verbundener Akzeptanz von Lehrpersonal und Schülern erfolgt.

Der Freistaat Sachsen hat in der Umsetzung des Digitalpaktes die Schulträger von Eigenanteilen bei der Ausstattung mit digitaler Technik freigestellt, um eine zügige Umsetzung bei hoher Akzeptanz zu erreichen. Unsere Erwartung ist es, dass die Schulträger in den kommenden Jahren die Vorteile “digitaler Schule” erkennen und ihrer Aufgabe nach kontinuierlicher Instandhaltung und Erneuerung auch gerecht werden. Die Unterstützung der Kommunen als Schulträger über den kommunalen Finanzausgleich sehen wir dabei als unseren Beitrag.

SPD Sachsen

Zur Gestaltung zeitgemäßen Lernens gehört es, Lernaufgaben flexibel abrufbar zu machen, sowohl individuelle Lernprozesse als auch Zusammenarbeit zu ermöglichen sowie differenzierte Rückmeldungen zum Lernfortschritt jeder Schülerin und jedes Schülers zu geben. Lernmanagementsysteme leisten mit unterschiedlichen Aufgabenstellungen und individuellen Lernstandserhebungen einen wesentlichen Beitrag zur Organisation und Strukturierung des Lernens. Ein solches Lernmanagementsystem soll deshalb zukünftig zur Grundausstattung an jeder Schule gehören. Über die SchulCloud sind alle Lehrkräfte und Schüler/innen per E-Mail erreichbar und können auf Lernangebote auch von außerhalb der Schule zugreifen. Initiativen zur Erstellung und Verbreitung von Open Educational Resources (OER) fördern wir. Und auch das elektronische Klassenbuch wird realisiert.

Die Pädagogischen IT-Koordinatoren (PITKo) sollen sich zukünftig verstärkt auf die schulinterne Fortbildung sowie Koordination von Digitalisierungsprozessen an Schulen konzentrieren können. Deshalb will die SPD unterstützendes Personal für die IT-Administration und Gerätewartung an die Schulen bringen. Diese Aufgaben sollen von nichtpädagogischem Assistenzpersonal erledigt werden. Das Modellprojekt Schulverwaltungsassistenz wird verstetigt, um eine solche Stelle an jede Schule zu bringen. Zudem wird ein Runder Tisch Schulverwaltung einberufen, um Fragen zur geteilten Schulträgerschaft zwischen dem Land und den Kommunen zu lösen.

Bündnis 90/Die Grünen

Die Digitalisierung und neue Technologien sind eine Chance, um Bildung individueller, chancengerechter und erfolgreicher zu organisieren. Unterschiedliche Lernstände und -tempi finden Berücksichtigung, ebenso sind neue kooperative Lernformen möglich. Digitale Lernmittel ermöglichen auch eine schnelle Rückmeldung zu Lernständen und Unterstützungsbedarfen für jede*n einzelne*n Schüler*in, wobei hier unbedingt der Datenschutz zu wahren ist. Wir werden uns für das digitale und interaktive Lehrbuch der Zukunft einsetzen und das Teilen und die freie Verwendung von Unterrichtsmaterialien, die von Lehrer*innen selbst erstellt werden, unterstützen.

Neben Geld und Technik braucht die digitale Schule auch Know-How. Das heißt, es bedarf nicht nur Investitionen in Kabel und Beton, sondern auch in die Fortbildung von Lehrkräften und Unterstützungspersonal, etwa zur Netzwerkadministration. Der Einsatz sogenannter Pädagogischer IT-Koordinator*innen (PITKo) wird für den IT-Support an der Schule zukünftig nicht mehr ausreichen. Abgestimmt mit den Plänen des Bundes wollen wir bis 2022 eine Investitionsoffensive für die digitale Infrastruktur in Schulen abschließen, damit die Vermittlung digitaler Kompetenzen nicht an technischen Hürden scheitert. Für “Bring Your Own Device”-Ansätze sind wir offen, vorausgesetzt, Schüler*innen ohne eigenes funktionsfähiges mobiles Endgerät werden nicht schlechter gestellt.

DIE LINKE

Um den digitalen Wandel der Gesellschaft aktiv gestalten zu können und nicht einfach nur passiv nachzuvollziehen, bedarf es einer Gesamtstrategie zur Digitalen Bildung in den Schulen unter besonderer Berücksichtigung von Industrie, Wirtschaft und Hochschule sowie nationalen und regionalen (Strategie)Entwicklungen zu diesem Thema resp. Anforderungen und Interessenslagen. Die Gesamtstrategie ist auf Landesebene zu entwickeln. Zwar gibt es in Sachsen bereits gute Initiativen zur Stärkung der Digitalen Bildung, doch es dominieren bislang Insellösungen das Gesamtbild.

Ohne einen entsprechenden Rahmen zur fachlichen Orientierung und politisch gesetzten Leitplanken werden Schulen in ihrer Entwicklung getrieben durch die globale, hochagile Entwicklung des Internets, durch nationale Entwicklungen zu Bildungsstandards, Qualitätsrichtlinien, Medienkompetenz oder Kompetenzprofilen in Berufsbildern, durch regionale Rahmenbedingungen für die schulische Organisation im Spannungsfeld kommunaler Finanzen und dem Aushandeln von Interessenlagen. Das ist aus bildungspolitischer Sicht unbefriedigend. Nach unserer Ansicht ist es daher an der Zeit, Digitale Bildung als komplexen, aufwändigen und vielschichtigen Schulentwicklungsprozess zu verstehen, der einer aktiven landespolitischen Planung und Steuerung bedarf.

Um die Lehrkräfte effektiv zu entlasten, wollen wir den Einsatz von hauptberuflichen IT-Verantwortlichen zur Unterstützung der Digitalisierung an den Schulen etablieren.

FDP

Die Digitalisierung ist eine Mammutaufgabe. Umso bedauerlicher ist es, dass erst jetzt Mittel zur Verfügung stehen und erst jetzt über die medienpädagogischen Zentren die Schulen inhaltlich fit gemacht werden. Hier wurde viel Zeit vertan. Die Digitalisierung wird nur erfolgreich sein, wenn für alle Beteiligten die positiven Effekte erkennbar sind. Das gilt zunächst vor allem für den Lernerfolg. Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Sie soll den pädagogischen Instrumentenkoffer des Lehrers bereichern und kann ihn bei der individuellen Förderung beispielsweise durch den Einsatz künstlicher Intelligenz unterstützen. Schüler bekommen so noch unmittelbarer Rückmeldung zu Erfolgen und zu Förderbedarfen. Dies nutzt dem Schüler und entlastet den Lehrer.

An den Schulen braucht es neben der Technik auch Lehrer, die gern und gut digitale Bildung nutzen. Dies ist aber nur durch professionellen Support und Wartung möglich. Die Kommunen müssen bei dieser (neuen) Aufgabe des digitalen Hausmeisters unterstützt werden. Ehrenamtlich durch Lehrer oder durch Ein-Mann ITler lässt sich die zwar wartungsarme, aber hochspezialisierte Technik nicht warten. Es ist ausdrücklich zu begrüßen, dass im Rahmen des Digitalpakts Pädagogik und Technik aufeinander abzustimmen sind. Notwendig sind pädagogische und technische Leitplanken für Schulträger und Lehrer. Beispielsweise in Form möglicher Software und Plattformen inklusive Hardware-Anforderungen. Cloud-basierte Lösungen sind hier klar zu bevorzugen. Um den Fortschritt bei digitalen Medien zu beschleunigen, sollten zukünftig nur dann analoge Schulbücher zugelassen werden, wenn adäquate digitale Medien bereitgestellt werden. Digitale Lernmittel könnten genauso zugelassen werden, wie analoge. Die Digitalisierung bietet auch Chancen bei der Kommunikation und Organisation. Digitale Klassenbücher gibt es bisher nur vereinzelt. Jeder Schüler sollte eine eigene E-Mail-Adresse und Zugang zu einem entsprechenden Cloud-basierten System haben.

AfD

Schulen benötigen eine moderne Ausstattung für den Informatikunterricht und für die Berufsausbildung in technischen Fächern. Die Einrichtung und Wartung dieser Ausstattung muss von technischen Mitarbeitern übernommen werden, um die Informatiklehrer zu entlasten. Die derzeit von Lobbygruppen propagierten elektronischen Lernformen (E-Learning, Tablets, Smartboards) können jedoch weder den vom Lehrer geführten Unterricht noch das Selbstlernen mit dem Schulbuch ersetzen.

Kontrollierte Studien in Deutschland und anderen Ländern zeigen, dass digitale Medien die Leistungen der Schüler verschlechtern oder keinen Einfluss haben. Es gibt keine empirischen Belege für Behauptungen, dass durch den Einsatz digitaler Medien benachteiligte Schüler besser gefördert oder das Lernen individueller gestaltet werden kann. Hingegen ist belegt, dass eine Einschränkung der Nutzung von Mobiltelefonen an Schulen die Leistung der Schüler verbessert. E-Learning ist Geldverschwendung und verbessert nicht die Leistungen der Schüler. Die AfD fordert, den Gebrauch von Mobiltelefonen und Tablets an Schulen zu beschränken.

Freie Wähler Sachsen

a. Digitales Unterrichten kann herkömmliche Didaktik und Methodik nicht ersetzen, nur ergänzen. Neben der Ausstattung mit digitaler Technik erfordert der Einsatz digitaler Unterrichtsassistenten vor allem eine intensive Fortbildung der Lehrerinnen und Lehrer.

b. Die Schulträger müssen durch den Freistaat finanzielle Unterstützung für die Einstellung von Systemadministratoren an den Schulen erhalten. Aufgrund der kurzen Abschreibungszeit von digitaler Technik muss mit Unterstützung des Bundes kontinuierlich die Technikbereitstellung und -erneuerung in der Fortschreibung der Haushaltsplanung berücksichtigt werden.

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